Samstag, 2. November 2013

Das Traumtagebuch

Es gibt unzählige meditative und spielerische Übungen sowie technische und natürliche Hilfsmittel um sich dem luziden Träumen und den ausserkörperlichen Erfahrungen zu nähern. Ich mache davon eigentlich keine, ausser dass ich mir meine Umgebung in der Alltagsrealität immer wieder bewusst aus dem Blickwinkel der Träumerin anschaue, mir vorstelle oder sage, dass ich mich in einem Traum befinde und die jeweilige Szene aus dieser Perspektive auf mich wirken lasse. Eine Variante davon ist es, sich beim Durchtritt durch eine Türe vorzustellen, man betrete eine neue Traumszenerie und sich dann nach dem Durchtritt zu beobachten, wie man sich fühlt in diesem neuen (T)Raum, was sich energetisch und stimmungsmässig verändert hat und was man wahrnimmt. Was ich jedoch seit einigen Jahren konsequent und intensiv betreibe, ist das Schreiben eines Traumtagebuchs. Neben meinem Bett liegt ein Din-A4-Block mit Stift und jeden morgen notiere ich die noch so kleinste Erinnerung, die ich an die Erlebnisse der vergangenen Nacht habe. Wenn es mir gelingt, grössere Sequenzen in die Alltagsrealität hinüberzuretten, ist das jedes Mal aufs Neue ein Erfolg, über den ich mich freue. Es gibt nun die Möglichkeit, die festgehaltenen Träume auf Traumzeichen hin zu untersuchen. Traumzeichen sind sich wiederholende Elemente, die individuell in Träumen auftreten. Dies können Gegenstände, Personen oder Situationen sein und wenn es gelingt, ein solches Traumzeichen anhand der gemachten Aufzeichnungen ausfindig zu machen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit in einem der nächsten Träume luzide zu werden, nämlich dann wenn dieses Zeichen wieder auftritt und man sich darüber bewusst wird. Als Beispiel kann ich hierfür eine Person nennen, von der ich immer wieder träume.
Es handelt sich um einen alten Schulkameraden, mit dem ich schon seit zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr habe. Auch in der Schulzeit hatten wir eher wenig miteinander zu tun, ich kann mich nur an eine kurze Zeitspanne erinnern, in der wir ab und zu etwas gemeinsam unternommen haben. Vor einigen Jahren fing ich nun plötzlich an von dieser Person zu träumen, in den Träumen ging es immer darum, dass wir ein Paar werden sollten aber es gab immer Hindernisse, sei es dass einer von uns zu schüchtern war oder aus sonstigen Gründen nicht wollte oder einer war gebunden oder hatte familiäre Verpflichtungen usw. In vielen Träumen erschien mir die Person im Alter von ca. 18-20 Jahren, strahlend schön und auf dem Höhepunkt ihrer Jugend. Eine Zeitlang dachte ich, die Person sei evtl. gestorben und zeige sich deshalb auf diese Art . Es heisst, dass sich Verstorbene häufig in ihrer besten Verfassung zeigen, wenn sie im Traum erscheinen oder über ein Medium Kontakt zu den Lebenden aufnehmen. Da die Träume nicht aufhörten, ging ich der Sache eines Tages nach und entdeckte nach einer kurzen Internetrecherche, dass die Person sehr wohl noch am Leben war, sich allerdings sehr verändert hatte, was Aussehen und Ausstrahlung betraf. Ich beliess die Sache dabei, wenn ich von Mister X, wie ich ihn nennen will, träume, ist es aber immer noch so, dass ich sehr leicht luzide werde. Ich weiss dann, dass ich träume und dass wir schon viele Male voneinander geträumt haben. Aus unseren Dialogen wird klar, dass auch er weiss, dass wir träumen. Manchmal nehmen wir in den Gesprächen sogar Bezug auf vergangene Begegnungen in Träumen. Einige Male überlegte ich schon, Mister X evtl. zu kontaktieren, es kommt mir im Alltag dann aber dann doch zu abstrus vor. Jedenfalls hat sich Mister X aber für mich zu einem Traumzeichen entwickelt, denn da wir im Alltag keinen Kontakt haben, ist sofort klar, dass ich mich in einem Traum befinde, wenn er auf den Plan tritt. Es gibt aber noch andere Traumzeichen, so habe ich vor einigen Wochen z.B. damit begonnen, alle meine seit Jahren von Hand gemachten Aufzeichnungen nachträglich am PC zu erfassen und Schlagworte zu vergeben, für Elemente, Personen oder Situationen, die immer wieder auftauchen. Anhand dieser Schlagworte kann ich die Träume dann sortieren und neue Zusammenhänge entdecken. Anfangs fragte ich mich, ob ich denn wirklich auch die Trübträume abtippen sollte, es erschien mir nicht so spannend. Schliesslich gab ich mir aber einen Ruck und entdeckte dabei, dass diese eine ganz bestimmte, interessante Komponente enthalten. Es handelt sich dabei um präkognitive Wahrnehmungen, denn viele kleine Episoden oder Elemente, die im Trübtraum auftauchten, zeigten sich später in der Alltagsrealität. Es kann sich dabei um wenige Tage aber auch um Jahre handeln, die zwischen der präkognitiven Wahrnehmung im Traum und der Manifestation im Alltag liegen. So träumte ich z.b. 2009, dass meine Eltern ihr Haus verkaufen und umziehen würden in einen kleinen Ort am Bodensee. Meine Eltern hatten sich damals einige Monate zuvor überlegt, das Haus tatsächlich zu verkaufen, sich dann aber dagegen entschlossen und umfassende Renovierungen vorgenommen. Zum Zeitpunkt meines Traumes war der Hausverkauf völlig vom Tisch. Ziemlich überraschend für mich haben sie sich dann im Frühjahr 2012, nachdem alle Renovierungen abgeschlossen waren, doch dazu entschieden das Haus zu verkaufen und sind anschliessend umgezogen in genau den kleinen Ort am Bodensee, von dem ich Jahre zuvor geträumt hatte. Es hat sich bei diesem Traum um einen Trübtraum gehandelt, hätte ich ihn als uninteressant abgetan und weder anfangs notiert noch nun erneut abgetippt, wäre mir diese präkognitive Wahrnehmung niemals bewusst geworden. Ein anderes Beispiel von neulich, dass sich nur am folgenden Tag im Alltag niederschlug, war ein Trübtraum in dem ich mich in Südafrika befand. Es gab einen kurzen präluziden Moment, als ich mich an den Kufen hängend an einem Helikopter wahrnahm, der übers Meer flog. Am folgenden Tag rief mich ein Freund an und schlug vor, ins Kino zu gehen. Wir konnten uns allerdings nicht so recht auf einen Film einigen und so landeten wir schliesslich in einem 3-D Film über eine Afrika Safari. Eines der Highlights im Film war, dass viele Szenen aus der Vogelperspektive gezeigt wurden. Die Crew filmte während sie an einer Spezialkonstruktion an einem Heissluftballon hing und so ergab sich die perfekte Flugperspektive auf Steppe, Meer und Wildnis. Mich erinnerte das sofort an meinen Traum, wie ich am Helikopter hängend über das Meer vor Südafrika geflogen war. Von der Dokumentation hatte ich vorab nie gehört und ich gehe auch eher selten ins Kino, vielleicht 1-2 Mal im Vierteljahr. Eine andere Traumszene, die sich wenige Wochen später im Alltag zeigte, spielte sich bei mir im Büro ab. Es waren im Büro Mäuse entdeckt worden und die Informatiker sollten diese wieder einfangen. Es kam ein Informatiker, den ich nie zuvor gesehen hatte. Er hatte ein etwas gigolohaftes Auftreten, mit weit offenem Hemd und fing sofort an zu flirten. Er trat in meinem Büro vor die Weltkarte (die dort wirklich hängt) und zeigte mir, wo er überall schon im Urlaub gewesen war. Wenige Wochen später hatte ich im Alltag ein Problem mit dem PC im Büro. Ich ging hinüber zu den Informatikern und traf auf einen, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Im ersten Moment meinte ich in seiner Mimik ein "Hoppla, wer kommt denn da?" zu sehen, ignorierte es aber und brachte direkt mein Anliegen vor. Er ging mit mir ins Büro, schaute sich das Problem an und entdeckte dann meine Weltkarte. Er stellte sich davor und zeigte mir, wo er überall schon als Segler im Urlaub herumgesegelt war. Ich hatte in diesem Moment meinen Traum natürlich nicht mehr präsent, schliesslich lag dieser Wochen zurück, da ich aber mit dem Projekt begonnen hatte, alle Träume später ins Reine zu schreiben, stolperte ich über diesen Traum nur wenige Tage später und war wieder einmal verblüfft über den klaren Zusammenhang zwischen Traumwelt und Alltagsrealität. Ich bin noch längst nicht fertig mit dem Erfassen aller Träume, aber auch wenn es viel Arbeit macht, so entdecke ich dabei unglaublich viel Aufschlussreiches und Faszinierendes. Deshalb mein Tipp an alle, die sich dem Thema Träume und AKE näheren wollen: Leute, schreibt ein Traumtagebuch!!! Es lohnt sich. :-)

6 Kommentare

  1. Hallo, Christine
    danke für Deine spannenden Berichte. Darf ich noch um zwei Hinweise ergänzen? Es soll auch gut sein, sich vor dem Schlafen noch an den letzten Traum zu erinnern und sich eine Karte anzufertigen, auf der man eintragen kann, wo der Traum gespielt hat.
    Einmal hatte ich auch einen präkoknitiven Traum. Ich habe ganz dringend nach einer Toilette gesucht, und genau das ist mir am nächsten Tag passiert. Ist zwar ein etwas blödes Ereignis, aber dass ich das am Tag bzw. in der Nacht vorher geträumt habe, fand ich schon spannend.
    Herzliche Grüsse
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,
      danke für deinen Kommentar und die Hinweise. :-) Meinst du mit der Karte eine Weltkarte? Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Ich finde die Erfahrungen mit präkognitiven Träumen immer sehr spannend, egal welcher Art die Ereignisse sind. Manchmal sind es nur ganz kleine Details aber es ist immer eine Bestätigung für den Zusammenhang zwischen Alltagsrealität und Traumwelt.
      Liebe Grüsse, Christine

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  2. ...nein, ich meine keine Weltkarte, sondern eine eigene, nur von den Orten, an denen man geträumt hat, gewesen zu sein. Da können sich evtl. Verbindungen ergeben, oder man sieht einfach, welche Orte für einen charakteristisch sind. Ich habe das bisher auch nur gehört, find die Idee aber spannend. Nur ist es bei mir so, dass ich fast nie weiss, wo ich im Traum war.
    LG, Uwe

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  3. Ach so, ja das macht Sinn. Eins meiner Schlagworte ist "Fremdes Land", weil ich immer wieder von Ländern träume, in denen ich physisch noch nie war. Ich werde das ausprobieren mit der Karte!
    Liebe Grüsse, Christine

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  4. "...Anfangs fragte ich mich, ob ich denn wirklich auch die Trübträume abtippen sollte, es erschien mir nicht so spannend. Schliesslich gab ich mir aber einen Ruck und entdeckte dabei, dass diese eine ganz bestimmte, interessante Komponente enthalten. Es handelt sich dabei um präkognitive Wahrnehmungen, denn viele kleine Episoden oder Elemente, die im Trübtraum auftauchten, zeigten sich später in der Alltagsrealität. Es kann sich dabei um wenige Tage aber auch um Jahre handeln, die zwischen der präkognitiven Wahrnehmung im Traum und der Manifestation im Alltag liegen..."

    Seit einigen Monaten immer mal wieder der Gedanke, die alten handschriftlichen Träume abzuschreiben oder wenigstens zu lesen, vor einigen Tagen Deinen Blog entdeckt und gedacht: Jetzt ist es Zeit. Meine Aufzeichnungen sind sehr verstreut (in Tagebüchern und Schreibmaschinentexten) letztes Jahr hatte ich beim Sortieren einen Hefter mit den gefundenen Einzelblättern angelegt und groß TRÄUME draufgeschrieben, um ihn bei Bedarf schnell zu finden. Den nahm ich heute früh und begann, das erste Blatt (handschriftlich) zu lesen und war sofort wie erschlagen.(Ich war 25 J. alt und lebte in Ostberlin) Hier der Text im Wortlaut:
    4.5.77
    Imi und Krieg, Italien, ich will nicht weiter - weiß genau, dann sterbe ich - aber es geht via Spanien, ich möchte Spanien sehen, dafür will ich auch sterben, werde wieder unsicher. Entscheide mich mitzugehen und unterwegs zu desertieren, will nicht sterben. Wir haben Geld in jeder Währung. Führer eine Frau, großzügig. Am Kiosk riesengroßes Kugeleis, am Fenster, kein Eis mehr da. Wir müssen weiter. Hügellandschaft, Wiese, Berge, kein Wald. Imi und ich rodeln auf dem Bauch hinunter, kleine Sprungschanzen, fliegen in der Luft, wieder runter ist scheußliches Gefühl, können Flughöhe selbst bestimmen.

    Soweit der Traum. 1977 war ich seit 2 Jahren mit dem Sportstudium fertig. Imi war eine Kommilitonin von mir, mit der ich eine Trampreise nach Bulgarien unternommen hatte, (über die ich 1978 eine Kurzgeschichte schrieb)...Italien: Ich lebe seit 1998 teilweise in der Toskana, da bin ich auch jetzt gerade in unserem Bungalow an Wiese, Hügeln...außerhalb oder zwischen den Ortschaften auf den Bergspitzen. !977 in der DDR kein Gedanke an eine solche Zukunft, mein Traumland war immer Frankreich gewesen, weshalb ich in der 11. und 12. Klasse am französisch-Unterricht teilnahm (fakultativ). Nach dem Mauerfall habe ich mich auch sofort dahin orientiert, fand die Leute aber zu bürgerlich-konservativ. Ein Freund nahm mich mit nach Italien, wir fuhren auch durch diese Gegend hier und wunderten uns über die dicken Rohrleitungen, die hier durchziehen, da war aber Italien auch noch nicht mein Ziel, 1997 lernte ich in Potsdam einen Mann kennen, der hier ein Haus, hat seit zig Jahren. Ich fuhr hin und wieder her, um ein Buch fertig zu machen (in der Ruhe der Landschaft), dann beschloss ich, was eigenes hier zu suchen. So ist es jetzt. Achso, und Spanien? Vor einigen Jahren wollte ich nochmals mittels einer Reise Frankreich überprüfen, wir fuhren mit dem Auto nach Spanien rein, über Barcelona (weil dort Schwimmweltmeisterschaften waren, ich früher Leistungsschwimmerin), dann über Saint-Tropez, Monaco, ...nach Hause: Italien.

    Ich bin sehr gespannt, was ich in den alten Träumen finden werde. Danke Christine, für den Schubs und die theoretische Vorbereitung.

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    1. Hallo Renate,
      danke für deinen Kommentar und fürs Teilen deiner Erfahrung! Spannend, dass du vor vielen Jahren diesen Traum von Italien hattest und später tatsächlich dort gelandet bist. Beim Lesen kam mir auch gleich der Gedanke an ein früheres Leben und du bist vielleicht nicht zum ersten Mal in Italien...
      Freue mich, dass du durch meinen Blog den Schubs bekommen hast, nun deine alten Traumaufzeichnungen genauer unter die Lupe zu nehmen!
      Liebe Grüsse,
      Christine

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