Die Möglichkeit, einen "shared dream" zu erleben, also einen Traum, den man gemeinsam mit einer (oder mehreren) weiteren Person(en) träumt, ist eines der typischen Themen/Experimente mit denen sich luzide Träumer beschäftigen. Mich fasziniert diese Möglichkeit schon seit vielen Jahren und ich habe immer wieder versucht, Übereinstimmungen in meinen Träumen und den mir nahestehenden Personen zu finden. Eine der grössten Schwierigkeiten ist dabei, dass sich die meisten Menschen nicht an ihre Träume erinnern, ausser sie beschäftigen sich gezielt damit. So frage ich meine Familie und Freunde immer wieder, was sie denn geträumt hätten, wenn ich mich an einen Traum erinnere, in dem sie vorgekommen sind. Oft können sie mir auf meine Nachfrage hin von Traumerinnerungen aus eben dieser Nacht berichten, es liessen sich jedoch noch nie übereinstimmende Details zu meinen Traumerlebnissen finden. Was ich in meinen Träumen immer wieder finde, sind Übereinstimmungen zu Alltagserlebnissen mir nahestehender Personen. Dabei handelt es sich um Details, von denen ich im Vorfeld nichts wusste. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit da, dass ich irgendwie bereits im Alltag etwas aufgeschnappt habe oder mein Traum einfach dadurch zustande kam, dass ich die Person gut kenne und gewisse Erlebnisse/Handlungen naheliegend und zu erwarten waren. Dennoch ist ein Zusammenhang meist durch die zeitliche Übereinstimmung meines Traumes und des Alltagserlebnisses der anderen Person gegeben und sehr gut nachvollziehbar.
Um schlagkräftige Beweise für gemeinsames Träumen zu erreichen, wäre es sicherlich besser, dies mit Personen zu üben, die einem nicht nahe stehen, von denen man nicht alluzviel weiss und die sich selbst mit dem luziden Träumen beschäftigen und somit über eine gute Traumerinnerung verfügen. Knackpunkt ist hier jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit von jemand anderem zu träumen sehr viel geringer ist, je weniger realen und emotionalen Kontakt es zu dieser Person gibt. Ich bin z.B. in einer Traumgruppe mit zwei Personen, die ich vor einigen Jahren bei Workshops kennengelernt habe. In der Vergangenheit haben wir sporadisch alle paar Monate geskyped und nun seit ca. einem halben Jahr treffen wir uns regelmässig einmal monatlich zu einer Telefonkonferenz, bei der wir uns über Traumerfahrungen austauschen. Zudem wollen wir uns auch alle paar Monate real einmal treffen, was aufgrund der Entfernung nicht häufiger möglich ist. Geträumt hatte ich bis vor kurzem von keinem der beiden, dazu hatten wir vermutlich trotz interessantem und intensivem Erfahrungsaustausch zu wenig Kontakt. Im Mai tauchte dann doch einmal einer der beiden in einem Trübtraum von mir auf. Es ging darum, dass wir gemeinsam mit einer Gruppe bei einem Seminar waren und in einem Klassenzimmer ähnlichen Raum übernachteten. Ich verteilte an die Gruppe ein Darmreinigungspräparat; mein Bekannter bekam davon Bauchschmerzen. Am nächsten Morgen überlegte ich, ob ich meinen Kollegen aus der Traumgruppe kontaktieren sollte um ihm davon zu berichten. Ich verwarf den Gedanken dann aber zumal ich auch sicher davon ausging, dass ich in diesen Traum Alltagserlebnisse von mir hineingemischt hatte ("Bauchschmerzen" und "Darmreinigung" waren Themen, die mich beschäftigt hatten). Als wir uns dann kurze Zeit später wieder zu unserer monatlichen Traumtelefonkonferenz trafen, mailte ich ihm im Vorfeld doch noch ein paar Zeilen zu meinem Traum. Nicht schlecht gestaunt haben wir, als er uns dann erzählte, dass er genau an dem Wochenende, als ich den Traum in einer Nacht von Samstag auf Sonntag hatte, an einem Ayahuasca-Ritual teilnahm, bei dem ein Teil der Gruppe im Seminarraum übernachtete und durch die Wirkung des Ayahuasca (="Reinigungspräparat") Bauchschmerzen bekommen hatte. Das war für mich ein recht konkreter Beweis für eine Erfahrung, die in Richtung "shared dream" geht, auch wenn sich die Erlebnisse meines Bekannten in der "Traumwelt Alltag" abspielten und es darüberhinaus Parallelen zu meinen Alltagserfahrungen gab, was die Sache jedoch noch umso interessanter macht, da es ein Hinweis darauf ist, wie auf subtiler Ebene alles mit allem verbunden ist.
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