Freitag, 19. April 2013

Auf den Leim gegangen

Ich befand mich in einem Zimmer und wusste, dass ich am Träumen war. Das Zimmer entsprach nicht meinem normalen Schlafzimmer, was mir jedoch nicht auffiel, weil dort viele Gegenstände aus meiner Wohnung im Alltag waren und es insgesamt realtiv ähnlich war, wie meine gewohnte Umgebung. Ich bemerkte den Spiegel, vor dem ich schon einige Male experimentiert hatte und wollte mich wieder davor bewegen. Da es jedoch zu dunkel war im Zimmer, versuchte ich zuerst, das Licht anzuschalten. Es ging nicht, woraus ich schloss, dass ich mich in einer ausserkörperlichen Erfahrung befand, da ich mich erinnerte, dass dort Elektrizität nicht funktionierte. Ich ging zum Fenster und zog die Jalousie hoch. Das Fenster ähnelte wieder ganz genau dem Fenster in meinem (Alltags-)Schlafzimmer. Nun war es heller im Raum und ich überlegte weiterhin, was ich tun könnte. Mir kam der Gedanke, vor eine Tür zu treten und mir dahinter etwas vorzustellen. Es ist eine Technik, von der ich gerade am Abend zuvor wieder gelesen hatte. Mir fiel jedoch ein, dass das eher für luzide Träume gedacht war, in denen man sich seine Umgebung selbst erschaffen kann. In einer ausserkörperlichen Erfahrung würde es sicherlich nicht funktionieren. So verliess ich schliesslich mein Zimmer durch das Fenster und schwebte über die Landschaft. Ich wollte einen Bekannten besuchen, den ich schon mehrere Male hatte treffen wollen. Bisher hatte es aber nie geklappt. Heute war ich ziemlich stabil, die Sicht war ausgesprochen gut, ich schwebte über Wiesen und Felder und blieb fest fokussiert auf mein Vorhaben. So schwebte ich längere Zeit bei gleichbleibender Klarheit und Geschwindigkeit dahin. Mit einem Mal änderte sich jedoch mein Kurs und ich flog in einer Kurve zu einer Art Bauernhof. Ich hatte diesen Weg nicht selbst eingeschlagen sondern war regelrecht von meinem Kurs abgedrängt worden. Ich stand nun vor einem Gatter in dem sich drei Pferde aufhielten. Sie hatten wenig Platz und standen dicht aneinander gedrängt, zwei von ihnen sahen auch gar nicht wie richtige Pferde aus sondern eher wie eine Mischung aus Kamel und Pferd. Ich fragte mich, was das hier sollte und warum ich hier gelandet war. Ich erinnerte mich zwar daran, dass ich auf ausserkörperlichen Reisen und in luziden Träumen immer wieder Tiere antraf, und mich meistens darüber freute, heute hatte ich aber eigentlich etwas anderes vorgehabt. Ich überlegte mir, ob sich die Person, der ich einen Besuch abstatten wollte, irgendwie tarnte und ob das der Grund war, weshalb ich trotz bester Klarheit und Konzentration meinen Kurs nicht hatte beibehalten können. Irgendwann gab es einen kleinen Blackout und ich landete wieder in dem alternativen Zimmer.
Im Gegensatz zu vorher waren nun alle Lichter angeschaltet. Ich schaltete sie aus und wollte testen, ob sie sich wieder einschalten liessen. Falls sie aus blieben, müsste ich immer noch in einer AKE sein, folgerte ich. Die Lampen liessen sich jedoch wieder einschalten, somit war ich nun also in einem Traum gelandet. Ich bliebe eine Weile in meinem Zimmer, arbeitete am Computer und las etwas in einem Buch. Die Traumrealität war sehr stabil und klar. Nach einiger Zeit entschied ich mich dazu, nach drüben in die Wohnung zu gehen, in der meine Familie wohnte. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, entdeckte ich auch schon meinen kleinen Bruder. Er war ca. 9 Jahre alt, viel jünger als er in der Alltagsrealität tatsächlich ist und er sah genauso aus, wie damals als er in dem Alter war. Ich fand das lustig und freute mich sehr, ihn zu sehen. Der Boden im Wohnzimmer hatte eine Neigung von ungefähr 45° und ich hatte richtig Mühe, zu meinem Bruder zu gelangen. "Puh, ist das immer so schräg hier?" fragte ich lachend. Mein Bruder ignorierte die Frage und reichte mir statt dessen einen Keks, an dem er geknabbert hatte. Der Keks hatte die Form eines kleinen Jungen, er war selbst gebacken und mit Zuckerstreuseln dekoriert. Ich nahm ihn und sagte: "Das ist ja ein kleiner Junge! Wie süss, bist du das?" Wieder ignorierte mein Bruder die Frage aber meine Mutter rief aus dem Nebenzimmer, dass das ein Backexperiment aus einer Kinderzeitung wäre. Ich erinnerte mich daran, dass mein Bruder als Kind solche Zeitungen gelesen und immer allerlei Dinge ausprobiert hatte. Als ich bei meiner Mutter im Nebenzimmer angelangt war, wo der Boden übrigens auch um die 45° schräg war, sah ich, dass sie ebenfalls so aussah, wie vor ungefähr 20 Jahren. Sie trug die Frisur, Brille und Kleidung von damals und wirkte auf mich etwas angestrengt. Ich wusste, dass ich bei meiner Mutter direkter vorgehen konnte als bei meinem Bruder und ich sagte ohne grosse Umschweife zu ihr: "Mama, ich stelle dir jetzt ein paar Fragen. Bitte beantworte sie einfach und wundere dich nicht, weshalb ich das wissen will." Mein Mutter war einverstanden und ich schoss sofort los:" Wie alt bin ich?". Sie antwortete, "du bist 28 Jahre alt". Es schien mir plausibel, da ich mich als Erwachsene wahrnahm, aber es passte vom Alter nicht ins Verhältnis zu meinem Bruder und meiner Mutter und ich wusste auch, das es nicht mein aktuelles Alter war. Ich hielt mich jedoch nicht daran auf und fuhr fort "Wo sind wir hier?". "In Heidelberg" lautete die Antwort. Die Spannung stieg und ich kam gleich mit der nächsten Frage: "Warum sind wir hier?" Wie aus der Pistole geschossen erwiderte meine Mutter: "Weil deine Tante (soundso) umgebracht wurde". "Was!!??" Jetzt war ich geschockt und mein Traumhirn arbeitete fieberhaft. Ich wusste, dass die Tante in der Alltagsrealität lebte. Meine Mutter bemerkte meine Bestürzung und ruderte zurück "naja, sagen wir so...sie ist jemandem auf den Leim gegangen und das hat ihren gewaltsamen Tod bewirkt...". Ich war in grösster Aufregung und hatte tausend Fragen auf der Zunge. Aber dafür war keine Zeit mehr, denn schon klappten meine Augen auf und ich fand mich in meiner Alltagsrealität wieder.

Der Traum war mir dann noch den ganzen Tag nachgegangen und speziell die seltsamen Antworten meiner Mutter in Bezug auf meine Tante machten mir zu schaffen. Hatte es irgendetwas mit der Realität zu tun? Gab es da ein tragisches Familiengeheimnis? War meine Tante etwa in Gefahr? Abends rief ich meine Mutter an und erzählte ihr den Traum. Sie konnte sich jedoch auch keinen Reim darauf machen und mit der Stadt Heidelberg konnten wir beide nichts anfangen. Nach dem Gespräch, machte ich mich daran, den Traum ausführlich niederzuschreiben, da ich am Morgen nur Stichworte notiert hatte. Und als ich dann schliesslich bei der Passage über die Tante ankam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ich war diejenige, die "jemandem auf den Leim gegangen und dabei eines gewaltsamen Todes gestorben war"! Mein Vorgehen muss doch zu offensiv gewesen sein, weshalb meine (von mir im Traum projizierte) Mutter nach der dritten drängenden Frage meinerseits mit dieser heftigen Antwort vom Mord an der Tante kam. Das war aber nur eine Finte, auf die ich hereinfiel ("...auf den Leim ging...") und dann "starb", sprich aus der Traumrealität "entfernt" wurde. Ich musste lachen über all die Bedenken, die ich gehabt hatte und war wirklich platt, wie naheliegend und simpel das Ganze war.

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